Fakten über die Wissenschaft von Psilocybin

Die Wissenschaft der Zauberpilze

In unserer wissenschaftlichen Arbeit, im Umgang mit psychedelischen Substanzen, ist es uns wichtig auch über diese zu berichten und näher zu beleuchten.

Daher möchten wir heute unsere Beitragsreihe “The Science of Psychedelics” starten. In dieser möchten wir auf die gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz von Psychedelika aufmerksam machen. Dazu stellen wir regelmäßig aktuelles Wissen aus der Forschung vor.

Heute beginnen wir mit Magic Mushrooms und dem Wirkstoff Psilocybin. In der Übersicht erfahrt Ihr mehr über :

  • 1. Die Biologie (Welche Lebewesen produzieren Psilocybin?)
  • 2. Die Anthropologie (Seit wann nutzen Menschen die Zauberpilze?)
  • 3. Medizinische Verwendung (Wie können Zauberpilze kranken Menschen helfen?)
  • 4. Pharmakologie (Wie wirkt Psilocybin im menschlichen Körper?)

die Biologie

Welche Lebewesen produzieren Psilocybin?

Weltweit sind über 200 Arten von Pilzen bekannt, die Psilocybin und verwandte Tryptamine produzieren.[1-3] Darunter sind mit über 100 Vertretern vor allem Pilze der Gattung Psilocybe (Kahlköpfe).[2] Weit verbreitet in Mitteleuropa sind der spitzkegelige (P. semilanceata) und der blauende Kahlkopf (P. cyanescens). Der kubanische Kahlkopf (P. cubensis) ist der wohl bekannteste Zauberpilz, da er sich einfach kultivieren lässt und daher auch häufig in der Forschung verwendet wird.[4] Der Psilocybingehalt (% Trockengewicht) kann von Art zu Art sehr unterschiedlich ausfallen und beträgt durchschnittlich 0,2 bis 1,8 %.[5-7] Da es oft auch innerhlab einer Art zu starken Schwankungen des Tryptamingehalts kommt, kann eine Konzentratiosbestimmung Überdosierungen verhindern.

Die Anthropologie

Seit wann nutzen Menschen die Zauberpilze?

Zauberpilze wurden schon vor über 10.000 Jahren in Teilen Afrikas und dem prähistorischen Europa zu rituellen Zwecken konsumiert.[8-9] Auch die Azteken nutzen sie für spirituelle Rituale und bezeichneten sie als Fleisch der Götter (”Teonanacatl”).[8] Erst seit Mitte der 1950er Jahre fanden die Pilze Einzug in die westliche Welt und die Forschung. Das Psilocybin der Hauptwirkstoff der Pilze ist, sowie dessen chemische Struktur wurde sogar erst 1958 durch Albert Hofmann aufgeklärt.[10-11]

Die medizin

Wie können Zauberpilze kranken Menschen helfen?

Es gibt momentan 62 laufende oder geplante Studien zur medizinischen Verwendung von Psilocybin, die vor Allem von Non-Profit-Organisationen wie dem USONA Institut, dem Hefter Institut, oder der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) unterstützt werden.[12]
Psilocybin ist dabei besonders als Medikament geeignet, da es kaum giftig ist, ein niedriges Abhängigkeitpotential hat und schon bei einmaliger Gabe wirksam ist.[13-15] Besonders zur Behandlung von therapieressistenten und schweren Depressionen wirkt es so gut, dass es vermutlich bald als Medikament in die Apotheken kommt.

Pharmakologie

Wie wirkt Psilocybin im menschlichen Körper?

Psilocybin wird im menschlichen Körper schnell zum eigentlich aktiven Wirkstoff, dem Psilocin umgewandelt.[15] Da dieses eine hohe Ähnlichkeit zum Neurotransmitter Serotonin hat, kommt es zu einer Interaktion mit dessen Rezeptoren (besonders 5HT2A), wodurch die psychedelischen Effekte ausgelöst werden. Obwohl der genaue Wirkmechanismus immer noch nicht verstanden ist, konnte gezeigt werden, dass Psilocybin die Konnektivität im Gehirn erhöht.[13] Das bedeutet, dass Bereiche im Gehirn miteinander reden können, die es sonst nicht tun, wodurch das Bewusstsein verändert wird. Neben dem medizinischen Nutzen trägt Psilocybin damit auch zur Erfoschrung unseres Bewusstseins und grundlegender Prozesse in unserem Gehirn bei.

quellenangaben

[1] P. Stamets, Psilocybin Mushrooms of the World, Ten Speed Press, 1996.
[2] G. Guzmán, J. W. Allen, J. Gartz, Ann. Mus. Civ. Rovereto 1998, 14, 189–280.
[3] C. Rätsch, Enzyklopädie Der Psychoaktiven Pflanzen, AT Verlag, 2015.
[4] J. Fricke, C. Lenz, J. Wick, F. Blei, D. Hoffmeister, Chemistry 2019, 25, 897–903.
[5] J. Bigwood, M. W. Beug, J. Ethnopharmacol. 1982, 5, 287–291.
[6] J. Gartz, J. Basic Microbiol. 1994, 34, 17–22.
[7] T. Stijve, T. Kuyper, Planta Med. 1985, 51, 385–387.
[8] J. Gartz, Magic Mushrooms Around the World, Lis Publications, 1997.
[9] T. Froese, G. Guzmán, L. Guzmán-Dávalos, Econ. Bot. 2016, 70, 103–114.
[10] A. Hofmann, R. Heim, A. Brack, H. Kobel, Experientia 1958, 14, 107–109.
[11] A. Hofmann, A. Frey, H. Ott, T. Petrzilka, F. Troxler, Experientia 1958, 1346, 397–399.
[12] www.clinicaltirals.gov www.usonainstitute.org maps.org www.heffter.org
[13] D. Nutt, D. Erritzoe, R. Carhart-Harris, Cell 2020, 181, 24–28.
[14] D. E. Nichols, J. Antibiot. (Tokyo). 2020, DOI 0.1038/s41429-020-0311-8.
[15] H. A. Geiger, M. G. Wurst, R. N. Daniels, ACS Chem. Neurosci. 2018, 9, 2438–2447.